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Heizwert bei Heizungsanlagen - Die Antwort aus einem Forum
Verwirrend ist nur das mit dem Heizwert, habe noch nie davon gehört daß es zwei Werte gibt. Warum?
Hmm. Die Antwort auf diese Frage liegt für Fachleute eigentlich auf
der Hand, ist aber nur schwer in verständliche Worte zu kleiden. Es
sind eben zwei verschiedene Stoffkennwerte, wie z.B. Dichte und
Masse, die nur mit ähnlichen Namen benannt wurden. Die Bezeichnungen
oberer und unterer Heizwert sind auch inzwischen veraltet, wie schon
angedeutet heisst es heutzutage Heizwert und Brennwert.
Ich probiere mal eine Erklärung und hoffe, es wird nicht zu
off-topic.
Falls doch, müsst ihr mich einfach unterbrechen <G>
Warum nun zwei Werte?
Wir verbrennen jetzt einfach mal zwei verschiedene Stoffe und gucken,
was passiert. Wir nehmen einfach mal Anthrazit-Kohle (besteht im
Wesentlichen aus Kohlenstoff) und Methan (Hauptbestandteil des
üblichen Erdgases).
C + O2 --> CO2
CH4 + 2O2 --> CO2 + 2H2O
Man sieht, der wesentliche Unterschied ist die Bildung von Wasser bei
der Verbrennung von Erdgas. Dieses Wasser liegt nach der Verbrennung
als Wasserdampf vor, weil die Heizgastemperatur natürlich deutlich
über 100°C liegt.
Jetzt müssen wir noch den Begriff "latente" oder "nicht fühlbare"
Wärme kennen: Bei der Änderung des Aggregatzustandes eines Stoffes
wird eine stoffspezische Energiemenge aufgenommen / freigesetzt, die
sich nicht in einer Temperaturänderung bemerkbar macht.
Der Übergang von fest -> flüssig -> dampfförmig nimmt Energie auf,
der umgekehrte Übergang dampff. -> flüssig -> fest gibt sie wieder
ab.
Einfaches Experiment mit Wasser: Fülle eine Schale mit Eiswürfeln und
miss die Temperatur. Sie wird sich erst dann nach oben bewegen, wenn
alles Eis geschmolzen ist. Oder bringe Wasser zum Kochen und miss die
Temperatur. Sie wird bei (je nach Luftdruck) 100°C stehen bleiben,
solange noch flüssiges Wasser zum verdampfen vorhanden ist.
Man führt also Energie zu, die sich nicht in einer Temperaturerhöhung
bemerkbar macht, sondern nach Abschluß des Vorgangs "im Wasser" bzw.
"im Wasserdampf" gespeichert ist. Deswegen heißt sie "nicht fühlbare"
Wärme.
Der Trick an der Brennwertnutzung ist nun, dass diese im Wasserdampf
des Abgases gespeicherte Wärmemenge durch Kondensation (teilweise)
nutzbar gemacht wird, während Heizwertgeräte diese ungenutzt nach
draußen pusten.
Je mehr Wasserstoff ein Brennstoff enthält, desto größer ist der
Unterschied zwischen seinem Heizwert und Brennwert und desto mehr
Sinn macht es auch, den Brennwert technisch nutzbar zu machen.
Wenn Du jetzt den Schluss ziehst, dass Heiz- und Brennwert bei Kohle
identisch sein oder zumindest sehr nahe beieinander liegen müssten,
hast Du's im Prinzip verstanden
In einem Parallelposting (von wem habe ich verdrängt) war zu lesen,
der Heizwert/Brennwert würde sich durch Verbrennung mit reinem
Sauerstoff (und anderer dubioser Machenschaften) verändern. Dass
diese Behauptung nicht richtig sein kann, sollte aus den obigen
Ausführungen einigermaßen klar geworden sein.
Kommt mir vor als hätten das irgend welche Marketingstrategen erfunden
Wenn, dann schon vor langer Zeit und mit geradezu hellseherischer
Voraussicht.